„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott    Psalm 42,3

Hunger und Durst sind wesentliche Mangelerscheinungen. Wer seinen Durst nicht stillen kann und durch Nahrung nicht den Hunger   in den Griff bekommt, der hat langfristig keine Zukunft mehr. Das gilt nicht nur im buchstäblichen, sondern auch im übertragenen Sinn. Das wird hier beim Beter aus Israel deutlich. Mit dem Durst drückt er sein ernsthaftes Verlangen aus, seine tiefste Sehnsucht zu dem, was für ihn lebensnotwendig ist. Er will das zurückhaben, was ihm einst zu eigen war: die Beziehungen, die Heimat und den Tempel in Jerusalem. Die Ferne, die Fremde, die Heimatlosigkeit, in der er jetzt leben muss, bedrückt ihn, so dass er kaum frei atmen kann und sich den Herausforderungen stellen will. Wie nah ihm jetzt auch Menschen sind, es reicht ihm nicht aus. Er braucht eine persönliche Beziehung zu Gott, dem Herrn der Geschichte, zu dem Gott seiner Väter. Diese möchte er nicht nur allein für sich erleben, sondern mit andern im Gottesdienst teilen. Da ihm das jetzt in seiner Situation versagt ist, bringt er sein Innerstes zur Sprache, auch wenn es kein anderer hören kann. Er kann es nicht für sich behalten. So schreit er seine Sehnsucht hinaus als Ausdruck seines inneren Verlangens.

Der jetzige Zustand, in der Fremde von Jerusalem, macht ihm Not.  Auch wenn er die Nähe Gottes nicht spürt, sich wie von Gott verlassen vorkommt, hält er an seinem Gott fest und will in dessen Gegenwart leben. Er möchte, dass Gott ihn anschaut, so dass er vom Angesicht Gottes angestrahlt wird und mit der Zuwendung Gottes rechnen kann; denn nur so kann er sein Leben mutig angehen und Zukunft gewinnen.